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Zuweiser

Welche Patientengruppen werden in unserer neuroorthopädischen Abteilung therapiert ?

Es erfolgt in unserem Hause die paraplegiologische bzw. tetraplegiologische Erstbehandlung nach Eintritt einer Rückenmarkserkrankung.

Hierbei finden sich folgende exemplarisch genannte Gruppen:

  • Rückenmarkskontusion nach Wirbelfrakturen
  • Rückenmarkskompression bei vorbestehender degenerativer Spinalkanalstenose ggf. mit Niederrasanz-Trauma und konsekutiver Myleonkontusion
  • Spinalis anterior-Syndrome bei Gefäßmalformationen verschiedenlichster Genese (die neurochirurgische operative Therapie erfolgt im zuweisenden Krankenhaus)
  • Maligne Querschnittsyndrome bei karzinomatösen Erkrankungen
  • Myelonkompression bei gutartigen tumorösen Veränderungen des Spinalkanals wie Ependymom, Menigeom etc.
  • Querschnittlähmung bei Spina bifida
  • Spezifische und unspezifische Myelinitiden. 

Es finden sich neben primären Rückenmarkserkrankungen auch weitere neuroorthopädische Erkrankungsbilder in unserer Therapie:

  • Multiple Sklerose
  • Polyneuropathie-Syndrome
  • Critical illness-Neuropathie/Myopathie
  • Cerebralparesen mit tetraspastischen Lähmungsbildern
  • Apallische Syndrome bei tetraspastischen Lähmungsbildern

Paraplegiologische Nachsorgebehandlung
Es werden Patienten im jährlichen Turnus oder bei Bedarf zur stationären Nachsorgebehandlung aufgenommen, deren Fokus eine ergo- wie physiotherapeutische intensivierte Therapie ist sowie die Komplexbehandlung mit psychologischer sowie sozialmedizinischer Betreuung, Überprüfung der Hilfsmittelversorgung und deren Anpassung, neurourologische Mitbehandlung und Diagnostik durch urodynamische Verfahren.

Eine Aufnahme bei Änderung der Atemmechanik und Neuversorgung oder Anpassung durch Heimbeatmungsgeräte finden Anwendung. Ebenso werden Maßnahmen der speziellen Schmerztherapie ergriffen bei neuropathischen Schmerzsyndromen, ein wesentlich Pfeiler ist ebenso die Behandlung von spinaler Spastik der quergestreiften Muskulatur mit konservativen wie operativen Behandlungsoptionen.

Können Patienten mit Beatmungspflichtigkeit therapiert werden?

Es erfolgt die Ersteinstellung sowie Anpassung nach aktuellem Verlauf einer Beatmung bei neurogenem Atempumpenversagen und ggf. gemischten respiratorischen Erkrankungen, die einer Beatmungstherapie bedürfen.

Seitens des Beatmungszuganges finden sowohl Behandlungen über invasive Beatmung mittels Tracheostoma wie non invasive Behandlungsverfahren mit Nasenmaske oder Mund-/Nasenmaske Anwendung. Technische Überwachungsmöglichkeiten entsprechend dem Standard einer Intermediate Care-Station werden vorgehalten. Eine intensiv-medizinische Behandlung ist ebenso möglich durch unsere Anästhesiologische Abteilung. Ein pulmonologischer und schlafmedizinischer Kooperationspartner ist in das Behandlungssetting integriert.

Welche fachärztliche Mitbetreuung besteht im Zentrum für Tetra- und Paraplegie in der Orthopädischen Hessisch Lichtenau?

Internistische Visiten
Es erfolgt eine regelmäßige fachinternistische Visite zur Diagnostik und Therapie internistischer Komorbiditäten. Es kann hier eine schlafmedizinische Basisdiagnostik schlafbezogener Atemstörungen sowie die Anpassungen bei neurogenem Atempumpenversagen erfolgen. Eine Neueinstellung oder Verfahrensänderung bei Beatmungspatienten findet so eine fachinternistische Mitbeurteilung.

Urologische Visiten
Es erfolgt die Kooperation mit einem erfahrenen Neurourologen mit regelmäßigen Visiten, in Kooperation sind urodynamische Untersuchungen zur Diagnostik und Therapiemodifikation bei neurogener Blasenentleerungsstörung vorgehalten. Harnableitungsverfahren werden so von fachurologischer Seite mitbeurteilt.

HNO-Heilkunde
Es besteht die Möglichkeit einer fachärztlichen Mitbeurteilung von Erkrankungen des Hals-Nasen-Ohrentrakts. Besonderer Schwerpunkt liegt hier in der Schluckdiagnostik, da der Schluckakt bei hoher Querschnittlähmung durchaus beeinträchtigt sein kann. Entsprechender Sprach- und Schluckaufbau betroffener Patienten werden HNO-ärztlich begleitet.

Welche spezifischen Erkrankungen werden im Zentrum für Tetra- und Paraplegie therapiert?

Ein spezifisches Problem rückenmarkserkrankter Patienten ist die Spastik. Es wird neben einer oralen medikamentösen Therapie die intrathekale Therapie und ggf. Versorgung mittels intrathekaler Medikamentenpumpen durchgeführt. Entsprechende Indikationen finden sich bei Unverträglichkeiten der oralen Medikation sowie unzureichender Symptomkontrolle der Spastik bei Höchstdosen. Es werden auch zu Gang und Stand mobilisierte Patienten mit spinaler Spastik therapiert, deren Gangbild durch Spastik alteriert ist.

Besonderheit der fokalen Spastik liegt in dem Angebot der Botulinumtoxin-Therapie, die sonographie-gesteuert durchgeführt wird.

Wie sieht eine Decubitus-Behandlung im Zentrum für Tetra- und Paraplegie?

Es finden sich in der Therapie vor allem decubitale Ulcerationen im Bereich der Sitzbeine sowie des Kreuzbeines. Hier erfolgt die wundphasenangepasste Therapie nach zertifiziertem Wundmanagement und Anwendung entsprechender sekundärheilungsfördernden Wundauflagen. Neben Wundauflagen kommt auch die Therapie mittels Vakuum-Pumpen zum Einsatz.

An operativer Therapie zur Heilungsförderung erfolgt das Debridement sowie die Wundreinigung mittels Jet-Lavage im OP. Hiernach ist bei entsprechender Wundkonditionierung ist eine plastisch-chirurgische Deckung durch fasciocutane oder myocutane Lappenplastiken etabliert.

Wie gestaltet sich die Therapie neuropathischer Schmerzsyndrome?

Es erfolgt die medikamentöse spezielle Schmerztherapie mit individueller Einstellung der Patienten auf der Basis der Antikonvulsiva, Neuroleptika sowie Antidepressiva. Eine Opiat-Therapie leistet die Basis gemischter neuropathischer und nozizeptiver Schmerzsyndrome. Eine intrathekale Testung von Opiaten und ggf. intrathekale Opiat-Therapie werden in selteneren Fällen ebenfalls indiziert.

Spielt die Palliativmedizin im Zentrum für Tetra- und Paraplegie eine Rolle ?

Sehr häufig erleben wir Patienten sehr fortgeschrittenen Alters mit frischer Tetraplegie nach Sturz und Myelonkontusion auf dem Boden einer degenerativen Spinalkanalstenose. Hier ist in den meisten Fällen die Therapie kurativ ausgerichtet.

Im Falle einer aussichtslosen Therapiesituation und internistischen Begleitererkrankungen sowie bei entsprechender Begründung des Patientenwillens bzw.  Bekunden des mutmaßlichen Patientenwillens wird auch ein palliativmedizinisches Regime angeboten. Im Vordergrund unseres Behandlungskonzeptes stehen die Wünsche und Bedürfnisse unserer Patienten, weshalb die Symptomkontrolle und Optimierung der Lebensqualität des Patienten einen hohen Stellenwert haben. Dabei sehen wir die Sterbephase als ein Teils des Lebens an, in welcher der Mensch (auch) ärztlicher Begleitung bedarf.

Welche nozizeptiven Schmerzsyndrome erfahren eine Diagnostik und Therapie im Zentrum für Tetra- und Paraplegie?

Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Abteilung für Wirbelsäulenorthopädie unseres Hauses mit entsprechender Möglichkeit der interventionellen Schmerztherapie sowie nach Befund operativer Therapie mit dem gesamten Spektrum hiesiger wirbelsäulenchirurgischer Techniken.

Welche Disziplinen erfüllt die Teamarbeit im Zentrum für Tetra- und Paraplegie?

Ergotherapie
Es findet sich das gesamte Repertoire an ergotherapeutischen Übungsverfahren vor Ort; diese haben das Ziel der Innervationsschulung sowie Aufschulung verbliebener Restfunktionen gelämter Patienten. Die Hilfsmittelversorgung und Adaptationen der häuslichen Wohnsituation werden durch unsere Ergotherapeuten organisiert. So besteht die Möglichkeit der Adaptation von aktiv betriebenen Rollstühlen bis hin zur Versorgung mittels Elektrorollstuhl und umfangreicher Umfeldkontrolle hoch gelähmter Patienten.

Nach decubitalen Ulcera im Beckengürtelbereich erfolgt eine Sitzdruckmessung in Kooperation mit der hiesigen Orthopädie-Technik, um entsprechende Sitzkissenversorgungen und Zurichtungen der Hilfsmittel optimal zu gestalten.

Physiotherapie
Es findet sich vor Ort ein in der Querschnittbehandlung hoch erfahrenes Team von Physiotherapeuten mit Qualifikation in neurophysiologischen Behandlungsverfahren. Das apparative Repertoire umfasst Maßnahmen zur Innervationsschulung, Kräftigung der verbliebenen Restfunktionen sowie Förderung der propriozeptiven Fähigkeiten der Patienten. Eine Möglichkeit der medizinischen Trainingstherapie an Geräten steht den Patienten unter physiotherapeutischer Anleitung ebenfalls bereit.

Logopädie
Es wird eine regelmäßige logotherapeutische Betreuung von Patienten mit Schluckschwierigkeiten und Tracheostoma durchgeführt. Hier wird neben dem Sprach- und Sprechtraining das Schlucken von Flüssigkeiten und Speisen geübt.

Sozialdienst
Die Versorgungssituation des Patienten nach stationärem Aufenthalt ist von besonderem Interesse. Unsere Patienten erfahren hier eine intensive Beratung und Unterstützung bei den jeweiligen Antragstellungen, so wird neben Beantragung einer Pflegestufe auch die Beantragung von Anerkennung einer Schwerbehinderungen organisiert, Anträge zur Teilhabe am Arbeitsleben werden gestellt, Einrichtungen von gesetzlichen Betreuungen werden unterstützt. Eine enge Zusammenarbeit mit Betreuern geschieht durch unseren Sozialdienst.

Inbesondere hinsichtlich des Entlassungsmanagement der Patienten ist unser Sozialdienst involviert, wenn es um die Versorgung in Einrichtungen betreuten Wohnens oder pflegerischen Einrichtungen geht. Sollte eine Rehamaßnahme im Anschluß an die paraplegiologische Akutbehandlung notwendig werden, unterstützt unser Sozialdienst bei der Antragstellung.

Psychologischer Dienst
Entsprechend der Erkrankungsschwere kommt es häufig zu seelischen Reaktionen sowie zu Schwierigkeiten der Krankheitsverarbeitung, so dass hier unser Psychologischer Dienst unterstützend eingreift.

Orthopädie-Technik
Vor Ort findet sich das Orthopädie-Technik-Zentrum; hier werden neben der Hilfsmittelversorgung Orthesenzurichtungen sowie Anpassungen orthopädischen Schuhwerks vorgenommen. Korsettversorgungen nach Gipsabdruck bei Wirbelbrüchen oder Versteifungsoperationen erfolgen hier ebenso wie die Versorgung mit Hilfsmitteln wie Rollstuhl oder Rollator, Sitzdruckmessungen ermöglichen die Überprüfung des ausgewählten Sitzkissens um Druckstellen der Beckenweichteile zu verhüten.

Tiergestützte Therapie
Eine tiergestützte Therapie mit Kleintieren wird unseren Patienten angeboten, eine positive biopsychosoziale Wirkung der Therapien hilft den Patienten im Rahmen der Krankheitsverarbeitung.

Rollstuhltraining und Rollstuhlsport
Es wird vor Ort ein intensiviertes Rollstuhltraining zur sicheren Einübung des Rollstuhles auch auf unebenen Untergründen sowie im Verkehrsbereich angeboten. Im Bereich Rollstuhlsport wird die sportliche Gestaltung der Freizeit mit den Patienten geübt, so dass hier eine Perspektive für die Zeit nach dem stationären Aufenthalt entsteht. Als Übungsleiter engagiert sich ein qualifizierter Querschnittgelähmter, was für viele unserer Patienten eine Stütze ist.

Verkehrsmediznische Besonderheiten
Nach Eintritt einer Querschnittlähmung ist eine verkehrsmedizinische Beurteilung notwendig, ebenso wie eine Adaptation des PKW je nach Lähmungsmuster. Eine spezielle Fahrnachschulung ist häufig von Nöten. Entsprechende Möglichkeiten der Fahrschule sowie Beurteilung durch den TÜV sowie verkehrsmedizinische Begutachtung werden vor Ort angeboten.

Wie werden Fortschritte in der neuroorthopädischen Behandlung beurteilt?

Es besteht hier die Anwendung von verschiedentlichen Assessments je nach Therapieziel. Als Kooperationspartner des EMSCI-Projekt werden Ärzte und Physiotherapeuten regelmäßig in der Klassifikation von Querschnittlähmungen unterwiesen. Die entsprechende Dokumentation dieser Lähmungsklassifikation wird nach dem ASIA-Protokoll wird vorgenommen. Unsere Einrichtung nimmt am anonymisierten Datenaustausch am EMSCI-Projekt teil.

Die Spastik von Extremitäten wird durch die Ashworth-Skala dokumentiert, damit  Therapieverläufe unter antispastischer Therapie evaluiert werden können. Insbesondere bei Neueinstellung einer Spastik durch intrathekale Medikamentenpumpe oder Botulinumtoxin-Therapie bei fokaler Spastik kann durch die Goal attainement Scale beurteilt werden, ob die durchgeführt Therapie hinsichtlich eines speziellen Therapie- bzw. Funktionsziels einen Nutzen gebracht hat.

Endet die Betreuung der querschnittgelähmten Patienten nach dem stationären Aufenthalt?

Es erfolgt eine individuelle Nachbetreuung der Patienten. In unserer Ambulanz für Querschnittgelähmte stehen wir unseren Patienten zum Gespräch sowie zu klinischer und radiologischer Untersuchung zur Verfügung. Die ambulante Überwachung von sekundär heilenden Wunden bei dekubitalen Läsionen erfolgt in unserer Ambulanz für Querschnittgelähmte. Das Befüllen einer intrathekalen Medikamentenpumpe gehört ebenso zu unserem ambulanten Angebot.