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Fußchirurgie

Durch die Verwendung von Titanschrauben und verbesserte Operationsverfahren ist es möglich, auf eine Gipsnachbehandlung nach Vorfußoperationen zu verzichten. Die Patienten können in der Regel ambulant operiert werden und das Krankenhaus, versorgt mit einem Vorfußentlastungsschuh, noch am selben Tag verlassen. Vorteil der gipsfreien Nachbehandlung ist, dass das Thromboserisiko erheblich verringert wird. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Patient das operierte Bein früh belasten kann. Dadurch sind auch die Arbeitsunfähigkeitszeiten erheblich verkürzt. Durch die Verwendung neuer Materialien entfällt die Notwendigkeit der Metallentfernung, da Titanimplantate im Knochen belassen werden können.  
Ein weiterer Fortschritt ist es, dass resezierende Verfahren zunehmend verlassen wurden und nur noch im höheren Alter durchgeführt werden. Ein resezierendes Verfahren bedeutet, dass das erkrankte Gelenk entfernt wird. Die Entfernung des Gelenkes hat eine Verkürzung der operierten Zehe sowie eine Verminderung der Beweglichkeit und der Kraft des Zehenstrahls zur Folge. Diese kommen nur noch bei Rezidivoperationen, Rheumaerkrankungen oder im höheren Lebensalter zum Einsatz.
Standardoperationsverfahren wie Strecksehnenverlängerungen oder Verlagerungen werden weiterhin durchgeführt.  

1.         Chevron-Osteotomie
Bei mittelschweren Veränderungen der Großzehe wird die Chevron-Osteotomie angewandt:
Der erste Mittelfußknochen wird V-förmig im gelenknahen Bereich durchtrennt. Damit werden eine größere Knochenkontaktfläche und eine hohe Drehstabilität erzielt. Der Patienten für sechs Wochen im Vorfußentlastungsschuh mobilisiert. Die Knochenstabilisierung erfolgt durch Titanschrauben, die aufgrund der speziellen Schraubenführung (Doppelgewinde) den Knochen zusätzlich unter Druck setzen und dauerhaft im Knochen verbleiben können.  

Die Chevron-Osteotomie wird in Blutleere durchgeführt. Die Einlage einer Drainage ist nicht erforderlich. Die Operationszeit beträgt in der Regel 30 Minuten. Der Patient verlässt das Krankenhaus normalerweise mit Unterarmgehstützen. Die Haut wird häufig nicht genäht sondern geklebt. Besteht eine starke Verlagerung des Großzehenendgliedes nach außen (sogenannte X-Stellung), die aufgrund der Gewebespannung und Verkürzung der abspreizenden Großzehe nicht ausschließlich durch Achsverschiebung korrigiert werden kann, so wird in gleicher Sitzung über einen kleinen zusätzlichen Schnitt die abspreizende Sehne der Großzehe durchtrennt und die Kapsel außen eingekerbt.  

2.         Scarf-Osteotomie 

In manchen Fällen besteht ein so erhebliches Auseinanderweichen der Knochen, dass eine Korrekturoperation am körperfernen Knochenende nicht mehr möglich ist. In diesem Fall wird im mittleren Anteil des ersten Mittelfußstrahles korrigiert. Es wird ein Z-förmiger, langstreckiger horizontaler Sägeschnitt gelegt. Aufgrund der langen Durchtrennungsstrecke kann nun die Achse auch bei erheblichen Fehlstellungen gut korrigiert werden. 

Der Knochen wird verschoben und in der neuen Stellung mit 2 Titanschrauben fixiert. Bei sehr schweren Achsabweichungen über 20 Grad wird eine aufklappende Knochendurchtrennung von körpernahen Anteilen des Mittelfußknochens durchgeführt. Der Knochen wird dann mit einer kleineren Titanplatte stabilisiert. Mit diesen Verfahren ist es möglich, auch schwerste Vorfußveränderungen in der Achse des ersten Mittelfußstrahles zu korrigieren. Diese Verfahren können mit geringem Risiko ambulant durchgeführt werden.  

3.         Großzehengrundglied-Osteotomie 

In manchen Fällen besteht zusätzlich eine erhebliche Verformung des Großzehengrundgliedes, das entweder nach außen abweicht oder in Relation zu den anderen Zehen zu lang oder verdreht ist. Hier kann auch eine achskorrigierende oder verkürzende Operation am Grundglied der Großzehe durchgeführt werden. Der Knochen wird keilförmig durchgesägt und mit einer Titan-Klammer in der neuen Stellung fixiert. Es ist im Gegensatz zu früheren gelenkresezierenden Maßnahmen, die zu Deformierungen des Fußes geführt haben (Verkürzung, Verplumpung der Zehe), nun möglich, einen deformierten Vorfuß so zu korrigieren, dass er der normalen Anatomie eines Fußes weitgehend entspricht.  

Operationen der Kleinzehen 

Ein weiteres Problem am Vorfuß ist häufig die Krallenzehenstellung der zweiten bis fünften Zehe, die beim Senk-/Spreizfuß häufig auftritt. Das Standardverfahren, die Versteifung des körperfernen Zehenzwischengelenkes, greift im Bereich der Krallenzehe an. Dort wird das in Krallen- oder Hammerzehenstellung versteifte und verschlissene Gelenk reseziert und die Zehe/n gerade gerichtet. Für zwei Wochen muss ein stabilisierender Draht eingebracht werden.  

4.         Weil-Osteotomie 

In vielen Fällen haben die Patienten auch unter dem Vorfuß im Bereich des Mittelfußköpfchens erhebliche Fehlbelastungen. Es hat sich ein Hornballen (sogenannter Clavus) entwickelt. Oft ist die Ursache eine Verrenkung im Grundgelenk, die Basis des Zehengrundgliedes schiebt sich dann über das Mittelfußköpfchen. Es ist dann notwendig, an dieser Stelle operativ einzugreifen, um den zu langen und zu weit nach unten gekrümmten Mittelfußstrahl entsprechend zu verkürzen und in der Achse zu korrigieren. Bei Verkürzung der Länge kommt es automatisch auch zu einer Korrektur der Krallenzehe. Dies geschieht mittels des Operationsverfahrens nach Weil:
Der Knochen wird langstreckig horizontal durchtrennt. Der untere Anteil wird körpernah verschoben, der überstehende Anteil wird entfernt. In dieser Position wird der Knochen durch eine selbstschneidende Titanschraube verankert.

Wenn Zusatzeingriffe wie Sehnenverlängerungen und Operationen im Bereich der kontrakten Krallenzehen notwendig sind, können diese gleichzeitig durchgeführt werden. Mit diesem bewährten Operationsverfahren wird die ursprüngliche Anatomie des Fußes wiederhergestellt und auf resezierende Verfahren verzichtet. Es ist mit diesen Verfahren möglich, an mehreren oder an allen Zehen in einer Sitzung zu operieren und dabei das Verhältnis der Knochen zueinander wieder herzustellen. Auch kann durch diese Operation die Spannung der Sehnen korrekt eingestellt werden.  

Ein weiterer Vorteil ist, dass aufgrund dieser gewebeschonenden Operationsmethoden und der guten Stabilisation die Operation ambulant erfolgen kann. Eine Gipsnachbehandlung ist meist nicht erforderlich. Auch entfällt die Notwendigkeit einer späteren Materialentfernung. Die Verbesserung der Operationsverfahren hat dazu geführt, dass viele Patienten bereits in jüngeren Jahren ihre Fehlstellung im Bereich des Vorfußes operativ korrigieren lassen und nicht mehr warten bis im höheren Lebensalter erhebliche und schmerzhafte Arthrosen entstehen.